KOMPAKTENTWURF
Entwerfen im eigenen Maßstab
Master
Baden Ölpersee
Auf dem Ölpersee in Braunschweig entsteht eine schwimmende Sauna- und Poollandschaft, die einen neuen öffentlichen Ort der Erholung schafft und den fehlenden Zugang zum See kompensiert. Die Anlage ruht auf Pontons und bietet eine frei zugängliche Plattform mit Pools, Aufenthaltsflächen und architektonischen Strukturen. Drei unterschiedlich große Becken, ein Sprung- und Aussichtsturm, ein Café mit Dachterrasse, eine Pergola mit Yogabereich sowie ein Saunagebäude mit mehreren Saunen und Liegeterrassen bilden ein vielseitiges Angebot. Klare, versetzte Formen schaffen abwechslungsreiche Räume und Sichtachsen, während Holz und rötlicher Stahl eine warme, harmonische Materialität prägen. So entsteht ein zeitgemäßer urbaner Freiraum, der Wasser, Architektur und Landschaft verbindet und Braunschweig einen neuen sozialen Mittelpunkt gibt.
Besucherzentrum - Faröer Inseln
Das Besucherzentrum versteht sich als Teil der Landschaft – nicht als Fremdkörper, sondern als Fortsetzung der Topografie. Aus der Geländestruktur wächst ein Baukörper, der wie die
Fjordlandschaft aus dem Boden steigt und eine markante Silhouette bildet. Ein Steg führt Besucher:innen vom Wanderweg ins Gebäude und prägt die Dramaturgie des Ortes: Er schwebt, steigt an, senkt
sich ab und eröffnet wechselnde Perspektiven auf Raum, Ausstellung und Umgebung.
Die Dachfläche wird zur begehbaren Ebene, die Innen und Außen verbindet. Darunter spannt sich ein großer, offener Raum, dessen Struktur und Faltung auf die natürlichen Gegebenheiten reagiert.
Massive Elemente entwickeln sich aus dem Terrain, während großzügige Öffnungen Blickbeziehungen schaffen.
Der Steg choreografiert den Weg durch das Gebäude: vom Parkplatz über Infotheke und Ausstellung bis zum Café als Ort des Innehaltens. Bewegung wird so zum erzählerischen Mittel, das Landschaft
und Kultur übersetzt.
Materialität und Atmosphäre orientieren sich an der Umgebung: Sichtbeton erinnert an Basaltfelsen, Holz setzt warme Akzente, Glas spiegelt das wechselnde Insellicht. Wind, Regen und Nebel sind
keine Störfaktoren, sondern Teil des Raumgefüges. So entsteht ein Ort, der die Identität der Färöer nicht darstellt, sondern erfahrbar macht.
Zwischen den Fasern – Priče iz Papirne
Die „Papirna“ in Zenica war einst ein Ort, an dem Holz zu Papier und Papier zu Trägern von Wissen wurde. Heute stehen die Maschinen still, doch die Mauern erzählen weiter. Das Projekt „Zwischen den Fasern“ verwandelt den Bestand in ein Jugendzentrum mit Wohnraum und schlägt eine Brücke zwischen Industriegeschichte und zeitgenössischer Stadt.
Im Inneren entstehen Werkstätten, Lernräume und Ateliers, in denen Jugendliche und Studierende experimentieren, reparieren und gestalten. Gearbeitet wird mit Materialien, die sonst übersehen oder entsorgt werden: Holzreste, Metall, alte Möbel und Papier. So wird Nachhaltigkeit praktisch erfahrbar und ergänzt das fehlende Recyclingangebot der Stadt. Die große Halle bietet zudem Raum für Veranstaltungen, während ein öffentliches Café im Erdgeschoss als Schnittstelle zur Nachbarschaft dient.
Das Zentrum wird durch Clusterwohnungen für Schüler und Studierende ergänzt. Gemeinschaftsbereiche wie Küche und Wohnzimmer fördern Austausch, während die Schlafräume nach Norden ausgerichtet und ruhig gelegen sind. Ein Funktionsband aus Holzrahmenbau strukturiert die Räume, integriert Küche, Bäder und Stauraum und bringt Wärme in die industrielle Hülle. Ein ergänzendes Stahltragwerk ermöglicht offene Grundrisse und bewahrt die historische Substanz.
Auch im Außenraum setzt sich die Idee des Wandels fort: Der Platz rund um den alten Schornstein und der Innenhof werden zu Garten, Treffpunkt und Werkstatt im Freien. Wo einst produziert wurde, entsteht ein Ort des Austauschs – zwischen Generationen, Stadt und Natur, Vergangenheit und Zukunft.
Zenica liegt im Herzen von Bosnien-Herzegowina und zieht sich entlang des Flusses Bosna, der seit Jahrhunderten die Entwicklung prägt: zunächst für Landwirtschaft, später für Industrie. Die großen Betriebe entstanden entlang der Flusslinie, die Wohnviertel liegen an den Hängen, während sich das Zentrum mit Verwaltung, Bildung und öffentlichem Leben im Talboden konzentriert. Diese geografische Struktur bildet den Rahmen für die Transformation der „Papirna“ – vom Ort der Produktion zu einem Ort des Lernens, Lebens und gemeinsamen Gestaltens.
Drehmoment
Umnutzung der Hollandmühle
Das Projekt „Drehmoment“ widmet sich der behutsamen Umnutzung der historischen Hollandmühle in Heede. Ziel ist es, den Bestand durch präzise Eingriffe neu zu aktivieren und für öffentliche wie
halbprivate Nutzungen zugänglich zu machen.
Im Erdgeschoss entsteht ein großzügiger Multifunktionsraum mit einer Holzstruktur aus Bühne und Sitzstufen, die flexibel für Veranstaltungen, Lesungen oder Ausstellungen genutzt werden kann. Drei
vertikal gestaffelte Holzboxen gliedern das Innere entlang der Mühlengeometrie und übernehmen verschiedene Funktionen: Sanitär- und Lagerbereiche unten, Teeküche im ersten Obergeschoss, Büro und
Archiv darüber. Ein zentrales Atrium verbindet alle Ebenen visuell und macht das Tragwerk erlebbar.
Das neue Dach aus Holzzangen und Druckstäben greift die historische Konstruktion auf. Ein großes Oberlicht bringt Tageslicht bis ins Erdgeschoss und betont die vertikale Offenheit. Die
Reetdeckung verweist auf die ursprüngliche Bauweise. Eine spiralförmige Treppe führt zu einer kleinen Aussichtsplattform im obersten Geschoss.
Die unteren Ebenen bleiben öffentlich zugänglich, während die oberen Etagen Rückzugsräume für konzentriertes Arbeiten bieten. So entsteht ein ausgewogenes Zusammenspiel von Offenheit und
Intimität – ein neues „Drehmoment“, das die historische Struktur in Bewegung hält.
Museumswerft Flensburg
Die Museumswerft Flensburg bewahrt die maritime Tradition der Region und ist ein lebendiger Ort des Handwerks, der Geschichte und der Bildung. Die historische Werftfläche am Hafen ist jedoch
räumlich begrenzt und zunehmend durch Sturmfluten und steigenden Meeresspiegel gefährdet.
Am Ostufer der Flensburger Förde gelegen, umfasst die Werft Werkstätten, Ausstellungsflächen und einen alten, gesperrten Ponton zur Schiffslagerung. Dieser Bereich bietet Potenzial für eine
Neuordnung, die Raumknappheit und Hochwasserschutz zugleich adressiert.
Der Entwurf einer schwimmenden Erweiterung orientiert sich an der bestehenden Werftstruktur und übernimmt ihre lineare Organisation. Das Gebäude entwickelt sich längs zur Werft und gliedert sich
in feste und bewegliche Bereiche. Zwei Fixlinien definieren die äußeren Grenzen, während der mittlere Teil flexibel bleibt. So entsteht eine klare Trennung zwischen öffentlichem Besucherbereich
und nicht zugänglicher Werkstattzone. Eine Reihe von Rahmen, inspiriert vom historischen Werftkran, hält die Konstruktion zusammen.
Ein durchgehendes Dach überspannt feste und bewegliche Gebäudeteile. Es passt sich Tidenhub und Wasserstand an und schützt bei Sturmflut automatisch. Das Hebekran-Prinzip wird dabei mechanisch
und motorlos neu interpretiert. Ein integriertes Gezeitenwerk erzeugt Strom aus den Wasserbewegungen – direkt nutzbar in der Werkstatt.
Ein sanft ansteigender Steg sichert den Zugang und berücksichtigt den Meeresspiegelanstieg. Zwei parallele Stege entlang des Baukörpers gewähren Einblicke in die Arbeit der Werft. Im Zentrum
verbindet ein festes Modul beide Stege: mit Gruppenraum zum Hafen und Lagerfläche. Über eine Leiter ist hier der Zugang zur Werkstatt möglich.
Die Werkstatt selbst ist schwimmend und modular aufgebaut. Ein Stecksystem erlaubt flexible Erweiterung oder Verkleinerung je nach Bedarf und Wasserstand. Ein Anleger ermöglicht die Anlieferung
großer Bauteile.
Am nördlichen Ende befindet sich eine Bootshalle bzw. ein Hebeschuppen, der ohne Motor funktioniert: Bei Ebbe fährt ein Schiff ein, bei Flut hebt es das abgesenkte Dach. Mit sinkendem Wasser
hängt das Boot bis zu vier Meter über dem Boden und kann bequem repariert oder gereinigt werden.